Wohnen allein genügt nicht!

markerAllgemeiner Beitrag zum Thema Ideen und Anregungen

Beschreibung

Ich möchte folgenden Gedankengänge gerne öffentlich zur Diskussion stellen:

1. Kulturraum Stellingen: Die Innenstadt bekommt ihre Elbphilharmonie – Stellingen bekommt einen kleinen, aber feinen „Kollau-Konzertsaal“ als Nachteilsausgleich für den Verzicht auf Grünflächen und Freiraum und somit letztendlich Verlust von Lebensqualität

Der Wohnungsneubau in Hamburg ist sicherlich vonnöten, aber unser Stadtteil ist bereits jetzt so stark belastet wie kaum ein anderer: Verkehrsstaus, Autobahn, Güterumgehungsbahn und Einflugschneise, um nur einige Problematiken zu nennen, die auch zukünftig unser Lebensumfeld und somit auch den neu entstehenden Wohnraum prägen werden. Nun werden auch noch große Freiflächen und auch viele bestehende Grünflächen in Stellingen dem politisch gewollten und somit forcierten Wohnungsbau zum Opfer fallen. Vielerorts sind schon Bäume gefällt und Rasenflächen eingeebnet worden (z. B. Wördemanns Weg und Koppelstraße), wo früher Einfamilienhäuser mit größeren Gärten standen. Diese Gärten waren gerade in unserem Stadtteil ein letztes Stück Natur, das unsere Heimat liebenswert machte und einen gewissen Erholungswert aufwies. Stellingen hatte bislang eher dörflichen Charakter, was durchaus seinen Charme hatte. Nun geht die Entwicklung aber in Richtung Urbanität, eine große Veränderung steht uns bevor. Auf den alten Grundstücken entstehen nun Mehrfamilienwohnhäuser mit kaum nennenswerten Gartengrundstücken. Sprich, die Nachverdichtung hat auch einen hohen Preis, nämlich Verlust von Natur und Lebensqualität. Es wird also deutlich enger und stickiger in Stellingen werden – und wir wollen nicht, dass die Leute, die hierher ziehen, nur einen Platz zum Schlafen vorfinden! Wir Stellinger sind sind natürlich offen gegenüber Neuerungen und wollen auch nicht in der Entwicklung hintenan stehen bleiben. Aber gerade deshalb sagen wir: Nur Wohnraum schaffen genügt nicht! Wenn die Strukturen nun künstlich verändert werden, muss auch eine neue Infrastruktur von den gleichen Planern entwickelt und angeboten werden, die diesen Wandel vorantreiben wollen. Am Verkehrsdisaster in unserem Stadtteil wird sich mittelfristig sicher wenig ändern lassen. Daher fordern wir jetzt zumindest einen fest eingeplanten Kulturetat für unseren Stadtteil – damit hier etwas wirklich Neues entstehen kann, das in unserem Stadtteil dauerhaft Bestand hat und für alle Bewohner eine positive Bereicherung ist.
Wie unser erster Bürgermeister schon zu seiner Amtseinführung sagte, soll nicht alles nur in der Innenstadt stattfinden. Nun wird unser Stadtteil aufgrund einer politischen Entscheidung umstrukturiert, dann muss auch durch politische Entscheidung eine städtisch finanzierte Kulturförderung für die ersten Jahre der Umgestaltung stattfinden. Sonst entwickelt Stellingen sich zum Wohnghetto, zu einer Schlafstadt. Das kann nicht im Sinne von Herrn Scholz und seinen Stadtentwicklungsplanern sein!

Ich wünsche mir daher die Einplanung von festen Haushaltsgeldern für eine generationsübergreifend orientierte Kulturförderung in Stellingen in Form von Finanzierung eines Bürger- und Kulturtreffs für 10 Jahre. Diese könnte z. B. wie folgt aussehen: Annahme 1: Die Sportbehörde finanziert die Ausgestaltung der Sportplätze am Informatikum und baut auch eine neue Halle mit Umkleideräumen. Annahme 2: Es ist mit einem Zuzug von mindestens 3.000 Neubürgern in Stellingen zu rechnen. Ab Neubaubeginn in Stellingen 62 soll pro neuem Einwohner in Stellingen pro Jahr ein fester Betrag (z. B. 12 Euro, um eine Zahl zu nennen) über eine Laufzeit von 10 Jahren von der Stadt als Nachteilsausgleich in die Kulturförderung Stellingen fließen. Konkret sollen auf dem neuen Sportgelände am Informatikum (Stellingen 61) in dem von der Sportbehörde gebauten Turnhallengebäude dann noch zwei zusätzliche Räume angebaut werden, die dann zur Nutzung für Kulturveranstaltungen aller Stellinger Bürger vorgesehen sind. Viele Stellinger vermissen nämlich sei langem einen solchen kulturellen Mittelpunkt. Ich denke hierbei an einen größeren Raum für Vorführungen und (Tanz-)Veranstaltungen aller Art sowie einen etwas kleineren Raum für Meetings (z. B. des Bürger- und Heimatvereins Stellingen, der dringend vorzeigbare Räumlichkeiten benötigt) und zur Unterbringung eines kleinen Cafés sowie der musealen Sammlung von Herrn Peter Rickers, dessen Engagement für Stellingen wir alle sehr geschätzt haben. So würde sich wenigstens posthum eine seiner vielen Visionen für Stellingen realisieren lassen, und sein Schaffen wird allen Stellingern – alt und neu – in Erinnerung bleiben und zu Gute kommen. Die Ausstellungsstücke würden sicher zur Identitätsfindung bzw. zum Identitätserhalt der Stellinger Bürger beitragen.
Für die ersten 10 Jahre, während die Umstrukturierung stattfindet und sich erst neue Strukturen ausbilden müssen, muss die Stadt die Kulturförderung aktiv finanzieren. Danach werden sich bestimmt andere Möglichkeiten, zum Beispiel durch Kultursponsoring ergeben. Da die Halle in meiner Annahme von der Sportbehörde finanziert wird, würden die Mieteinnahmen ja an sie gehen und somit fließen die Gelder der Stadt letztendlich auch zum Teil wieder zu.

2. Nahversorgungsraum Stellingen: Einkaufen in Stellingen muss auch sein – aber bitte wenn’s geht auch mal etwas hochwertiger!

Ferner muss Stellingen auch bislang unter der politisch motivierten Stärkung des Eidelstedt-Centers leiden. Wir haben kein richtiges Einkaufszentrum, der Stellinger Hof verliert immer mehr an Bedeutung, was letztlich auch im Hinblick auf die Stärkung des Eidelstedtcenters politisch so gewollt war. Was viele Stellinger besonders im Stadtteil und auch in den benachbarten Gebieten vermissen, ist z. B. ein guter Biosupermarkt mit einem ausgewogenen und vergleichsweise günstigen Sortiment. Es wird in den Medien häufig gesagt, dass der Verbraucher Schuld an den Lebensmittelskandalen hat, da er nur billig einkaufen will. Das stimmt nur teilweise, denn viele Menschen würden sehr gerne mehr Geld für Qualität ausgeben, aber es fehlen die entsprechenden Angebote in fußläufiger Entfernung. Wir wünschen uns daher, dass in Stellingen 62 bei den Neubauwohnungen so ein Bio-Supermarkt ansiedeln kann, so dass auch wir die Möglichkeit haben, an bessere Nahrungsmittel heranzukommen, ohne sie quer durch die Stadt transportieren zu müssen. Die Voraussetzungen hierfür müssen bei den Stadtplanern geschaffen werden – indem sie eine entsprechend große Fläche für einen derartigen Supermarkt in Stellingen 62 einplanen. Alternativ wäre natürlich auch ein kleiner Marktplatz mit frischen Waren eine gute Idee.

3. Verkehrsraum Stellingen: Wer hier wohnt, muss auch irgendwie noch von A nach B kommen, und zwar in einem zuverlässig kalkulierbaren Zeitrahmen.

Zum Schluss möchte ich also erneut auf die verkehrspolitischen Probleme hinweisen, die ich eingangs bereits erwähnte. Auch wenn die Antworten hierauf nicht einfach zu finden sein werden, dürfen diese Fragen bei der Stadtentwicklungsplanung nicht außer Acht gelassen werden. Es sollte also wieder offen über neue Konzepte für den öffentlichen Nahverkehr diskutiert werden – unter breiter Bürgerbeteiligung.

2 Kommentare

  1. Verfasst von betterworld am 31. März 2013 um 20:29

    Hallo liebe Stadtteil-Aktivistin, ist ja ne Menge Holz, was du da so alles vorgelegt hast !!!
    Zustimmung zu fast allen Punkten. Die Ausnahme: Keine Kompensation zugunsten von Grünflächen, die wir in Stellingen nur noch an sehr ausgesuchten Plätzen finden. So dürfen sich unsere Senioren, anders als die neuen Bewohner des im Bau befindlichen Seniorenzentrums, noch vom Balkon aus an der grünen Wiese im Spannskamp erfreuen. So sie denn noch einigermaßen gut zu Fuß sind, können sie auch auf vorhandenen Ruhebänken den Kitakindern beim Spielen auf dem Spielplatz zusehen und sich am wilden Toben der Mini-Fußballer erfreuen.
    Die Schiffszimmerer-Genossenschaft, in bester Zusammenarbeit mit der Eimsbüttler Politik, haben aber nun ihre Finger ausgestreckt und wollen es dem Hamburger Wohnungsbauprogramm zum Frass vorwerfen. WIR möchten dieses kleine Stückchen Grün nicht aufgeben und kämpfen nun seit Juni letzten Jahres darum, dass es erhalten bleibt.
    Vielmehr fordern wir ein Zusammenwachsen des Stadtteils mittels „Tieferlegung“ des Sportplatzrings, was auch verkehrstechnisch die Kreuzung Kieler Straße entkrampfen würde. Diese kleine Stück „Verkehrsberuhigung“ würde uns ein wenig näher und unseren Kindern und Senioren ein Stückchen fußläufigen und sicheren Weges bringen. Das letzte Grün im Umkreis für zig Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, ohne dass man Kinder und Senioren ins Auto verfrachten muss, um sie ins Niendorfer Gehege, oder über die Elbe zu bringen, wo man dann großzügige Ausgleichspflanzungen vornehmen will. Bisher war auf der Wiese genügend Platz für Sommerfeste und Flohmärkte, warum dann nicht für den gesamten Stadtteil hier ein kleiner, aber feiner Treffpunkt für die Stellinger anleihern? Gut vernetzte Fußweg sind bereits angedacht und sollen eine Verbindung zum Mittelpunkt Stellingens schaffen.
    Kulturell würde sich unseres Erachtens dann wirklich das Stellinger Rathaus anbieten, eine Rückkehr des Kundenzentrums wird politisch eh nicht gewünscht und Räumlichkeiten stehen wohl genügend zur Verfügung und das Rathaus bliebe dann auch ein gut zu gestaltender autofreier Rahmen für manigfaltige Veranstaltungen und Kommunikation.
    Das große Schweigen der Verantwortlichen bezüglich eines „Gesamtentwurfs“ bei der Stadt- und Verkehrsplanung ( von uns seit Monaten angefordert ), lässt uns rat-, aber nicht mutlos zurück. Wie gesagt, es geht nicht nur um die B-Pläne 61 und 62, es geht um viel viel mehr, auch um 60, 64 und 66. Ein Konzept für die heissgeliebte „Urbanisierungszone“, damit wir uns nicht weiterhin als das „Schmuddelkind“ von Eimsbüttel fühlen müssen.
    Das Bürgerbeteiligungskonzept lässt micht ebenfalls etwas ratlos zurück, denn Ideen entstehen doch erst durch Kommunikation und Meinungsaustausch, an dem ALLE Einwohner teilhaben können, nicht nur die Besitzer eines Internetanschlusses. Viele sehr konstruktive Anregungen erhielten wir zum Beispiel bei unserer Unterschriftensammlung gegen die Nachverdichtung im Spannskamp, von unseren älteren Mitbewohnern. Leider hatte von denen nur ca. 2 % einen Computer zuhause. Ihr Wissen und ihre Ideen werden in dieser Meinungsfindung leider außen vor bleiben.
    Soviel für den Moment. Freuen uns auf ein weiteres konstruktives Aufeinandertreffen der Menschen, denen die Zukunft Stellingens genau so am Herzen liegt, wie uns.

  2. Verfasst von Alica am 12. April 2013 um 10:27

    Natürlich ist Wohnraum in Hamburg knapp und sollte erschlossen werden.

    Allerdings ist es nicht der richtige Ansatz, die Arbeitsräume der Studenten abzureißen, die dann geplanter Weise, also vermutlich länger, für drei Jahre (also ein ganzes Bachelor-Studium) keine Arbeitsräume haben.
    Das ist eine Maßnahme der Stadt Hamburg zur Erschließung von Grundstücken. In Lurup zum Beispiel wurde eine Feuerwehr auf ein Parkgelände verlegt, damit auf das Grundstück der Feuerwehr Wohnungen gebaut werden können. Allerdings wird das Parkstück natürlich nicht ersetzt.
    Ich sehe das sehr kritisch mit dem Abreißen oder Auflösen von Stadteigentum zu Gunsten von Wohnungen. Es wird kein Halt gemacht vor Parks und Studenten. Meiner Meinung nach ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Schulen oder Krankenhäuser von diesem Schiksal ereilt werden.

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